Nova Gorica und Gorizia: Zwei geteilte Städte wachsen zusammen
Eine moderne Planstadt in Slowenien, eine historische Altstadt in Italien und ein gemeinsamer Platz, der europäische Geschichte sichtbar macht. Von der Teilung zum gemeinsamen Kulturerbe: Nova Gorica und Gorizia - Europas Kulturhauptstadt 2025
Autor: Ursula
Nova Gorica und Gorizia liegen nebeneinander an der slowenisch-italienischen Grenze
Heute kannst du zwischen den beiden Städten zu Fuß hin und her spazieren ohne eine klassische Grenzkontrolle passieren zu müssen. Das war nicht immer so: Nach dem Zweiten Weltkrieg teilte eine Staatsgrenze das historische Stadtgebiet. Auf slowenischer Seite entstand daraufhin Nova Gorica als neu geplante Stadt.
Die beiden Orte unterscheiden sich bis heute in vielem. Gorizia besitzt Beispielsweise eine historische Altstadt mit Plätzen, Kirchen und einer Burg. Nova Gorica ist hingegen von der Architektur und Stadtplanung der Nachkriegszeit geprägt. Besonders anschaulich wird diese gemeinsame Geschichte am grenzüberschreitenden Platz Trg Evrope, der 2025 im Mittelpunkt der gemeinsamen Europäischen Kulturhauptstadt stand.
Wie aus einer Stadt zwei wurden
Gorizia war über Jahrhunderte ein wichtiges Zentrum der Region. Die Stadt gehörte lange zum habsburgischen Herrschaftsgebiet und entwickelte sich als Verwaltungs-, Handels- und Kulturstandort. Nach dem Ersten Weltkrieg kam sie zu Italien. Der Zweite Weltkrieg veränderte die politische Landkarte erneut.
Mit der Grenzziehung von 1947 fiel der historische Stadtkern Gorizias an Italien, während umliegende Gebiete an Jugoslawien gingen. Damit fehlte auf der jugoslawischen Seite ein entsprechendes städtisches Zentrum. Nova Gorica wurde ab 1947 als neue Stadt geplant und in den folgenden Jahren aufgebaut.
Die Grenze trennte Familien, Nachbarschaften und gewachsene Verbindungen. Während Gorizia seine historische Struktur bewahrte, entwickelte sich Nova Gorica als moderne Planstadt mit breiten Straßen, großzügigen Freiflächen und funktionalen Gebäuden. Die beiden Stadtbilder erzählen deshalb unterschiedliche Kapitel derselben regionalen Geschichte.
Sloweniens Unabhängigkeit 1991 und der spätere Beitritt zur Europäischen Union 2004 veränderten die Beziehungen zwischen den Städten. Mit dem Beitritt Sloweniens zum Schengen-Raum 2007 wurde der Grenzübertritt im Alltag nochmals einfacher.
Trg Evrope: Ein Platz zwischen zwei Ländern
Der Platz Trg Evrope, auf Italienisch Piazza Transalpina, liegt unmittelbar an der Grenze vor dem Bahnhof Nova Gorica. Eine Markierung im Boden zeigt, wo Slowenien und Italien aufeinandertreffen. Der Platz ist damit mehr als ein Fotomotiv: Er erinnert an die Zeit, in der die Grenze den Alltag der Menschen auf beiden Seiten bestimmte.
Der Bahnhof selbst ist ebenfalls interessant. Das historische Gebäude entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts für die damalige Bahnverbindung und ist älter als Nova Gorica. Heute steht es unmittelbar an der Schnittstelle der beiden Städte.
2025 wurde Trg Evrope zu einem wichtigen Ort der Europäischen Kulturhauptstadt. Nova Gorica und Gorizia trugen den Titel gemeinsam und stellten das Programm unter das Motto „GO! Borderless“. Es ging dabei nicht nur um Veranstaltungen, sondern auch um die gemeinsame Geschichte, kulturelle Vielfalt und grenzüberschreitende Zusammenarbeit.
Der Platz ist ein guter Ausgangspunkt, um beide Städte zu Fuß zu erkunden. Von hier kannst du zunächst durch Nova Gorica spazieren und anschließend in Richtung der italienischen Altstadt weitergehen.
Nova Gorica: Moderne Stadtplanung und Kultur
Nova Gorica unterscheidet sich deutlich von vielen älteren slowenischen Städten. Das Zentrum wurde nach dem Zweiten Weltkrieg geplant. Breite Straßen, größere Freiflächen und Gebäude aus der Nachkriegszeit bestimmen das Stadtbild. Wer historische Gassen und mittelalterliche Fassaden erwartet, wird hier weniger davon finden. Interessant ist vielmehr, wie konsequent eine neue Stadt entworfen wurde.
Für einen Spaziergang bieten sich die zentralen Plätze und Grünanlagen an. Auch kulturelle Einrichtungen wie das Kulturni dom und das Xcenter gehören zum städtischen Leben. Im Rahmen der Europäischen Kulturhauptstadt wurden außerdem grenzüberschreitende Projekte und Ausstellungen entwickelt. Welche Veranstaltungen aktuell stattfinden, lässt sich über die Kulturplattform der Region prüfen.
Ein weiteres bekanntes Gebäude ist das Casino in Nova Gorica. Es gehört zum Freizeit- und Unterhaltungsangebot der Stadt, steht aber nicht im Mittelpunkt der historischen Stadtentwicklung. Wenn du dich vor allem für Architektur und Geschichte interessierst, lohnt es sich, mehr Zeit am Grenzplatz und in den zentralen Bereichen zu verbringen.
Gorizia: Historische Gassen und die Burg
Auf italienischer Seite erwartet dich mit Gorizia eine historisch gewachsene Stadt. Die Altstadt besitzt Plätze, Kirchen, Paläste und enge Straßen, in denen sich die lange Verbindung zur Region Friaul-Julisch Venetien zeigt. Rund um die Piazza della Vittoria und die umliegenden Straßen kannst du den Stadtkern zu Fuß erkunden.
Über der Stadt liegt das Castello di Gorizia. Die Burg geht auf das Mittelalter zurück und wurde im Lauf der Jahrhunderte mehrfach verändert. Von der Anhöhe bietet sich ein Blick über die Dächer der Stadt und die Grenzregion. Im Inneren befinden sich Ausstellungen zur Geschichte und zur Burganlage.
Auch die Kirchen und historischen Gebäude der Innenstadt lohnen einen Abstecher. Cafés und Restaurants laden zu einer Pause ein; kulinarisch treffen hier italienische Traditionen auf die Einflüsse der angrenzenden slowenischen Region. Wer beide Städte an einem Tag besucht, kann in Gorizia gut eine längere Mittagspause einplanen.
Ein Tagesausflug für beide Städte
Nova Gorica und Gorizia lassen sich gut miteinander verbinden. Starte am Trg Evrope und nimm dir Zeit, die Grenzmarkierung und den Bahnhof anzusehen. Anschließend kannst du Nova Gorica erkunden und danach zu Fuß nach Gorizia wechseln.
Für die italienische Stadt solltest du ausreichend Zeit für die Altstadt und die Burg einplanen. Je nach Interesse kannst du Museen besuchen oder den Aufenthalt mit einem Essen verbinden. Wenn du dich besonders für die Nachkriegsgeschichte interessierst, lohnt es sich, vorab nach aktuellen Ausstellungen und Führungen zu suchen.
Für beide Städte zusammen ist ein Tagesausflug sinnvoll. Wer zusätzlich die Weinlandschaften der Umgebung besuchen möchte, sollte mehr Zeit einplanen oder eine Übernachtung in der Region erwägen.
Ausflüge in die Weinregionen
Nova Gorica liegt günstig für Ausflüge in zwei bekannte Weinlandschaften Sloweniens: Goriška Brda und das Vipava-Tal.
Goriška Brda erstreckt sich nördlich der Stadt über sanfte Hügel mit Weinbergen, Obstgärten und kleinen Ortschaften. Das Dorf Šmartno ist für seinen historischen Ortskern bekannt. Die Region eignet sich für Fahrten durch die Landschaft, Besuche bei Weingütern und Verkostungen nach vorheriger Vereinbarung. Im Frühjahr fällt in manchen Orten die Kirschblüte auf; im Herbst prägen Weinlese und herbstliche Farben die Landschaft.
Das Vipava-Tal liegt östlich von Nova Gorica und verbindet Weinbau mit einer abwechslungsreichen Landschaft zwischen Karst und Alpenrand. Neben internationalen Sorten werden hier auch regionale Rebsorten wie Zelen und Pinela angebaut. Kleine Orte, Weingüter und die Landschaft entlang des Flusses Vipava bieten zusätzliche Ziele für einen Ausflug.
Wenn du beide Städte mit einer Weinregion kombinieren möchtest, ist ein zusätzlicher Tag eine gute Lösung. So bleibt genügend Zeit, ohne die Besichtigung der Städte zu verkürzen.
Anreise und praktische Hinweise
Nova Gorica liegt im Westen Sloweniens, nahe der italienischen Grenze. Von Ljubljana aus ist die Stadt mit dem Auto in ungefähr zwei Stunden erreichbar; die tatsächliche Fahrzeit hängt von der Route und dem Verkehr ab.
Auch die Anreise mit der Bahn ist möglich. Die Fahrzeit und die Zahl der Umstiege variieren je nach Verbindung. Prüfe daher den aktuellen Fahrplan der Slowenischen Eisenbahnen für deinen Reisetag. Der Bahnhof Nova Gorica liegt direkt am Trg Evrope und eignet sich deshalb gut als Ausgangspunkt für den Stadtrundgang.
Zwischen Nova Gorica und Gorizia kannst du dich zu Fuß bewegen. Für einen Besuch beider Innenstädte brauchst du normalerweise kein Auto. Wenn du anschließend nach Goriška Brda oder ins Vipava-Tal fahren möchtest, bietet ein Mietwagen mehr Flexibilität; einzelne Orte lassen sich aber auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen, abhängig von Fahrplan und Wochentag.