Parenzana-Radweg: Die alte Küstenbahn-Route zwischen Portorož und Italien
Die ehemalige Schmalspurbahn führt heute als Rad- und Wanderweg von Triest bis nach Poreč – durch Küstenorte, Weinberge und das istrische Hinterland.
Autor: Ursula
Parenzana-Radweg: Mit dem Fahrrad durch Slowenien und Istrien
Der Parenzana-Radweg folgt einer ehemaligen Eisenbahnstrecke, die einst Triest mit Poreč an der kroatischen Adriaküste verband. Heute verläuft die Route durch Italien, Slowenien und Kroatien. Auf dem slowenischen Abschnitt radelst du an Koper und Izola vorbei, durch die Landschaft bei Strunjan und weiter nach Portorož und zu den Salinen von Sečovlje.
Die Strecke eignet sich sowohl für kürzere Ausflüge als auch für eine mehrtägige Radtour durch Istrien. Allerdings unterscheiden sich die einzelnen Abschnitte deutlich: Während der slowenische Küstenteil überwiegend befestigt und vergleichsweise einfach zu fahren ist, erwarten dich im kroatischen Hinterland mehr Schotterwege und Anstiege.
Von der Eisenbahn zum Radweg
Die Parenzana wurde Anfang des 20. Jahrhunderts während der österreichisch-ungarischen Monarchie gebaut. Am 1. April 1902 wurde der erste Abschnitt zwischen Triest und Buje eröffnet; im Dezember desselben Jahres folgte die Verbindung bis Poreč. Die Schmalspurbahn war rund 123 Kilometer lang und verband zahlreiche Orte in Istrien.
Sie transportierte Fahrgäste ebenso wie landwirtschaftliche Erzeugnisse, Wein, Olivenöl und Salz. Für viele Orte entlang der Strecke war sie eine wichtige Verbindung zu den Häfen und Märkten der Region. Der Betrieb endete am 31. August 1935. Danach wurden die Gleise entfernt, und die Strecke verlor ihre frühere Funktion als Bahnverbindung.
Viele Jahre später entstand die Idee, die alte Trasse für Radfahrer und Wanderer wieder nutzbar zu machen. Unter dem Namen „Weg der Gesundheit und Freundschaft“ wurde die Parenzana zu einer grenzüberschreitenden Freizeitroute. Erhaltene Tunnel, Brücken und frühere Bahnhöfe erinnern noch heute an die Eisenbahnzeit.
Der Streckenverlauf durch Slowenien
Die gesamte Parenzana führt von Triest beziehungsweise dem benachbarten Muggia über Slowenien bis nach Poreč in Kroatien. Die historische Bahnstrecke maß rund 123 Kilometer. Für den heutigen Radweg werden je nach Streckenführung etwa 118 Kilometer angegeben. Davon entfallen ungefähr 32 Kilometer auf Slowenien.
Ein gut zugänglicher Einstieg liegt bei Škofije nahe der italienischen Grenze. Von dort verläuft die Route über Dekani und Koper nach Izola. Anschließend führt sie durch die Landschaft bei Strunjan, über Portorož und weiter in Richtung der Salinen von Sečovlje. Von dort geht es über die Grenze nach Kroatien und weiter ins istrische Hinterland.
Die Strecke folgt nicht überall unmittelbar der Küste. Gerade zwischen den Städten führt sie auch durch Grünflächen, Felder und bewaldete Abschnitte. Der Weg ist deshalb abwechslungsreicher, als es eine reine Küstenroute vermuten lässt.
Mit dem Fahrrad von Koper nach Izola
Koper ist ein möglicher Ausgangspunkt für eine kürzere Tour auf der Parenzana. Die Stadt verbindet eine historische Altstadt mit einem bedeutenden Hafen. Von hier führt die Route weiter in Richtung Izola.
Der Abschnitt eignet sich gut, um zunächst in die Landschaft der slowenischen Küste hineinzufahren. Je nach gewähltem Einstieg und Streckenführung verläuft der Weg auf befestigten Abschnitten und durch Bereiche abseits der Hauptstraßen. Unterwegs gibt es Möglichkeiten für Pausen und kurze Abstecher in die Städte.
Izola ist ein guter Zwischenstopp. Der frühere Fischerort besitzt eine Altstadt mit engen Gassen und einen Hafen, an dem Restaurants und Cafés liegen. Wer nicht die gesamte Strecke fahren möchte, kann die Radtour hier beenden oder nach einer Pause auf demselben Weg zurückfahren.
Durch den Landschaftsraum von Strunjan
Zwischen Izola und Portorož führt die Parenzana durch die Gegend um Strunjan. Zu den markanten Bauwerken gehören die ehemaligen Eisenbahntunnel Šalet und Valeta. Der Valeta-Tunnel verbindet den Bereich bei Strunjan mit der Umgebung von Portorož und ist ein charakteristisches Relikt der früheren Bahnstrecke.
Die Route verläuft hier teilweise oberhalb der Küste und eröffnet Ausblicke auf die Bucht und die umliegende Landschaft. Wer mehr Zeit hat, kann einen Abstecher in den Landschaftspark Strunjan einplanen. Dort führen Wanderwege zu den Flyschklippen und zur Mondbucht. Der Naturpark ist jedoch ein eigenes Ausflugsziel und liegt nicht vollständig auf der Radroute.
Für den Abstecher solltest du zusätzliche Zeit einrechnen. Die Wege hinunter zur Küste sind nicht mit dem Radweg gleichzusetzen und können steil sein. Das Fahrrad lässt sich am besten an einem geeigneten Platz abstellen, bevor du zu Fuß weitergehst.
Portorož und die Salinen von Sečovlje
In Portorož führt die Parenzana durch den Badeort mit seiner Promenade, den Hotels und Restaurants. Hier bietet sich eine längere Pause an, bevor du die Tour in Richtung Süden fortsetzt.
Von Portorož ist auch ein Abstecher nach Piran möglich. Die historische Stadt mit dem Tartini-Platz und den engen Gassen liegt auf einer Landzunge und ist nicht einfach mit dem Verlauf der ehemaligen Bahntrasse gleichzusetzen. Plane für einen Besuch Zeit zum Abstellen des Fahrrads und für den Fußweg durch die Altstadt ein.
Weiter südlich erreichst du die Salinen von Sečovlje. Die Salzlandschaft gehört zu den besonderen Naturräumen der slowenischen Küste. Die Parenzana führt in diese Gegend und weiter in Richtung der kroatischen Grenze. Wenn du die Salinen besuchen möchtest, informiere dich über die ausgewiesenen Wege, Zugänge und Öffnungszeiten des Schutzgebiets.
Weiter nach Kroatien: Das hügelige Hinterland
Hinter der slowenischen Grenze verändert sich der Charakter der Tour. Die Parenzana führt über Buje und Grožnjan weiter durch das istrische Hinterland. Weinberge, Olivenhaine, kleine Orte und hügelige Landschaften prägen diesen Abschnitt.
Grožnjan ist für seine historische Altstadt und seine Kunstszene bekannt. Weiter südlich verläuft die Route durch das Landesinnere, unter anderem in Richtung Livade, Motovun und Vižinada, bevor sie Poreč erreicht.
Dieser Teil ist anspruchsvoller als die befestigten Küstenabschnitte Sloweniens. Schotter, unbefestigte Wege und Anstiege gehören zur Strecke. Ein Trekkingrad oder Mountainbike ist dafür besser geeignet als ein Fahrrad, das ausschließlich für glatten Asphalt ausgelegt ist. Auch mit einem E-Bike solltest du die Reichweite und die Möglichkeiten zum Laden berücksichtigen.
Welches Fahrrad passt zur Parenzana?
Für den slowenischen Abschnitt zwischen Škofije, Koper, Izola und Portorož reicht bei normaler Witterung in der Regel ein Tourenrad oder Trekkingrad. Der Weg ist dort überwiegend befestigt und vergleichsweise einfach zu fahren.
Für die gesamte Strecke bis Poreč ist ein Rad mit geeigneten Reifen für Schotter und unbefestigte Wege sinnvoll. Ein Trekkingrad oder Mountainbike bietet mehr Reserven auf rauem Untergrund. Ein E-Bike kann bei den hügeligeren Abschnitten im kroatischen Hinterland hilfreich sein, ersetzt aber keine passende Bereifung.
Die Route ist nicht durchgehend eben und auch nicht vollständig asphaltiert. Plane deshalb genügend Zeit ein und wähle die Etappen nach deiner Kondition und dem Fahrradtyp. Bei längeren Touren gehören ein Reparaturset, ein Ersatzschlauch und ein Fahrradschloss zur sinnvollen Ausrüstung.
Beste Reisezeit und praktische Planung
Frühling und Herbst sind für eine Radtour entlang der slowenischen Küste oft besonders angenehm. Die Temperaturen sind häufig moderater als im Hochsommer, und du kannst die Küstenorte und Landschaften ohne die stärkste sommerliche Hitze erleben.
Im Juli und August solltest du früh starten, ausreichend Wasser mitnehmen und längere Pausen in der Mittagshitze vermeiden. Schatten ist nicht auf allen Abschnitten vorhanden. Auch Regen und starker Wind können die Bedingungen verändern.
Für einen kürzeren Ausflug bietet sich ein Teilstück zwischen Koper, Izola und Portorož an. Wer von der italienischen Grenze bis zu den Salinen von Sečovlje fahren möchte, kann dafür einen längeren Tagesausflug einplanen. Die genaue Distanz hängt vom Startpunkt und der gewählten Streckenführung ab. Für die gesamte Parenzana bis Poreč sind mehrere Etappen sinnvoll, wenn du auch die Orte entlang der Route besichtigen möchtest.
Prüfe vor der Fahrt die aktuelle Streckenführung und eventuelle Sperrungen. Für den Einstieg bei Izola helfen die Informationen des örtlichen Tourismusverbands; eine Übersicht zur grenzüberschreitenden Route bietet außerdem das offizielle Tourismusportal Istriens.